Kindersitze

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Inhaltsverzeichnis

Pflicht zur Beförderung in Kindersitzen

Die Taxifahrer sind für die Sicherheit aller Fahrgäste verantwortlich. Dass gilt auch für zu befördernde Kinder.

Laut § 21 Abs. 1a StVO ergibt sich seit 1993 die Pflicht, Kinder, die das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und kleiner als 150 cm sind, in entsprechenden Kindersitzen/Babyschalen zu befördern.

Hier heißt es:
"Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind, dürfen in Kraftfahrzeugen auf Sitzen, für die Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind, nur mitgenommen werden, wenn Rückhalteeinrichtungen für Kinder benutzt werden, die den in Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe c der Richtlinie 91/671/EWG des Rates vom 16. Dezember 1991 über die Gurtanlegepflicht und die Pflicht zur Benutzung von Kinderrückhalteeinrichtungen in Kraftfahrzeugen (ABl. L 373 vom 31.12.1991, S. 26), der zuletzt durch Artikel 1 Absatz 2 der Durchführungsrichtlinie 2014/37/EU vom 27. Februar 2014 (ABl. L 59 vom 28.2.2014, S. 32) neu gefasst worden ist, genannten Anforderungen genügen und für das Kind geeignet sind." (Quelle: http://www.verkehrsportal.de/stvo/stvo_21.php)

Keine Mitführungspflicht von Kindersitzen

Taxifahrer haben nicht die Pflicht, Kindersitze mit sich zu führen. Eine solche Pflicht ist nirgendwo festgelegt. Taxifahrer unterliegen jedoch der Pflicht, Kinder in den entsprechenden Sitzen zu befördern.

Sollten sie mit 3 Kindern von 3-12 Jahren unterwegs sein, können trotzdem alle Kinder befördert werden, sofern für die beiden jüngeren (oder körperlich kleineren) Kinder jeweils ein passender Kindersitz vorhanden ist. Das älteste Kind darf dann auf Verantwortung des erwachsenen mitfahrenden Fahrgastes ungesichert mitfahren. Kinder unter 3 Jahren dürfen generell nicht ungesichert befördert werden!

Warum haben viele Fahrer keine Kindersitze/Babyschalen?

Die Gründe dafür sind sehr vielfältig. Um nur ein paar zu nennen:

  • Babyschalen und Sitze der Klassen I und II nehmen viel Platz im Kofferraum weg, den die Fahrer jedoch für Gepäck benötigen. Sie können dann also Touren nicht annehmen, bei denen die Fahrgäste einfach mal mehr Gepäck oder sperrige Gegenstände dabei haben, da der Kofferraum durch die Kindersitze blockiert ist. Solche Touren stellen aber das Kerngeschäft der Unternehmen dar.
  • Die Anschaffung solcher Sitze ist für die Taxibetriebe eine sehr große Investition. Wenn man Kindersitze im professionellen Personenverkehr einsetzt, braucht man doch die wirklich hochwertigen und somit teuren Modelle, die durch den ständigen Ein- und Ausbau auch nicht besser werden.
  • Kosten entstehen auch, weil Kindersitze, die im professionellen Personenverkehr eingesetzt werden, regelmäßig gewartet und "abgenommen" werden müssen (TÜV oder DEKRA)
  • Hygienische Gründe spielen beispielsweise bei Babyschalen eine Rolle (siehe in der Taxizentrale Chemnitz). Wenn doch mal eine Windel ausläuft, ist eine sehr aufwendige Reinigung notwendig. Der Aufwand lohnt irgendwann nicht mehr.

Diese Punkte sollen nun nicht den Eindruck erwecken, dass Taxifahrer Kinderfeindlich eingestellt seien. Das Gegenteil ist der Fall. Allerdings müssen die Taxibetriebe vor Allem eins: rentabel arbeiten.

Darf der Fahrer die Beförderung eines Kindes ablehnen?

Die Beantwortung dieser Frage ergibt sich aus dem bereits zitierten § 21 Abs. 1a StVO. Hat der Fahrer keinen passenden Kindersitz dabei, muss er die Beförderung des Kindes sogar ablehnen. Zwar gilt die Beförderung eines Kindes ohne geeigneten Kindersitz nur als Ordnungswidrigkeit, wird aber mit einer Geldbuße von 60 Euro (bei mehreren Kindern 70 Euro) sowie einem Punkt im Fahreignungsregister (der berühmte Punkt in Flensburg) geahndet.

Der Taxifahrer ist als professioneller Personenbeförderer auf ein möglichst punktefreies Konto im Fahreignungsregister angewiesen. Der Personenbeförderungsschein kann sehr schnell entzogen werden. Somit würde der Fahrer mit seinem Arbeitsplatz und damit auch mit seiner Existenz spielen.

Den meisten Fahrern ist aber vor Allem die Sicherheit des zu befördernden Kindes wichtig. Deshalb lassen sich die Fahrer üblicherweise auch nicht darauf ein, wenn der erwachsene Fahrgast das Kind "auf den Schoß" nehmen oder es "im Tragetuch" auf dem Bauch mitnehmen will. Bei der Variante mit dem Tragetuch führt der Gurt außerdem über das Kind. Wenn der Fahrer eine Vollbremsung machen muss, drückt also das gesamte Körpergewicht des Erwachsenen auf das Kind, was zu schwersten Verletzungen und bleibenden Schäden beim Kind führen kann. Dass will niemand, die Fahrer am allerwenigsten.

Kindersitzklassen

Einteilung; Vgl. ECE-R 44; 6.1.3. Gewicht in kg Alter Sonstiges
Klasse 0+ ("Babyschale") < 13 Das Kind ist < 1 Jahr, kann nicht selbst sitzen nur entgegen der Fahrtrichtung zulässig
Klasse I (Kindersitz für 1Jährige) 9 bis 18 ca. 1-2 Jahre, Kind kann schon alleine sitzen entgegen und in Fahrtrichtung möglich
Klasse II (Kindersitz für 2Jährige) 15 bis 25 Das Kind ist ca. 2-3 Jahre entgegen und in Fahrtrichtung möglich
mit ISOFIX nur in Fahrtrichtung zulässig
nur Sitzerhöhung möglich; Vgl. ECE-R 44; 6.1.4.
Klasse III (Sitzerhöhung) 22 bis 36
  • Das Kind ist 3-12 Jahre alt
  • Das Kind ist unter 1,50 Meter groß
mit ISOFIX nur in Fahrtrichtung zulässig
nur Sitzerhöhung möglich; Vgl. ECE-R 44; 6.1.4.