Taxizentrale

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Inhaltsverzeichnis

Was sind Taxizentralen?

Taxizentralen sind Makler zwischen zwei Kunden:

  • Dem Fahrgast auf der einen,
  • Dem Taxifahrer auf der anderen Seite.

Taxizentralen sind nicht die Eigentümer der Fahrzeuge und nicht die Arbeitgeber der Fahrer. Dass sollen sie auch nicht sein, um so genannte Auftragsverschiebungen zu verhindern.

Taxizentralen bieten also als Makler die eingegangenen Aufträge den Fahrern der angeschlossenen Taxibetriebe an. Meistens mit Erfolg. Allerdings kann es auch sein, dass mal ein Auftrag nicht vermittelt werden kann, einfach weil kein passendes Fahrzeug da ist oder sich kein Fahrer findet, der den Auftrag haben möchte. Man kann keinen Kunden (in diesem Fall der Fahrer) zwingen, etwas zu kaufen. Aber so etwas kommt - verglichen mit der Anzahl der vermittelten Aufträge - sehr selten vor.

Wie arbeiten Taxizentralen?

Zeitnahe Vermittlung

Da die Zentralen nicht die Eigentümer der Fahrzeuge und auch nicht die Arbeitgeber der FahrerInnen sind, können sie also nicht lang-, sondern nur zeitnah vermitteln.

Was nun wie ein Nachteil klingt, ist in Wirklichkeit ein unschlagbarer Vorteil. Taxen unterliegen nämlich viel mehr Widrigkeiten als zum Beispiel die Berliner S-Bahn, deren Fahrpläne zwei Jahre im Voraus gestaltet und dann doch nicht eingehalten werden. Die S-Bahn fährt auf Schienen, hat also nicht mit Staus zu kämpfen, nicht mit Straßensperrungen aufgrund von Demonstrationen. Und Verkehrsunfälle sind bei Schienenfahrzeugen eher selten, im Straßenverkehr aber Gang und gäbe.

Eine langfristige Vermittlung (zum Beispiel einen Tag vorher) birgt das Risiko, dass das Fahrzeug einen Unfall hat, und schlichtweg nicht mehr zur Verfügung steht. Oder dass ein Fahrgast plötzlich beschließt, dass er doch nicht zum Berliner Hauptbahnhof will, sondern lieber gleich nach Hamburg. Nun sitzt dieser Fahrgast aber im Taxi, mit ihm ist dadurch ein gültiger Beförderungsvertrag geschlossen worden. In beiden Fällen steht das Fahrzeug also nicht zur Verfügung und es müsste neu vermittelt werden. Also wieder kurzfristig. Und somit hat sich bei den Zentralen das System durchgesetzt, Aufträge von vornherein zeitnah zum Termin zu vermitteln.

Es gibt noch viele andere Unwägbarkeiten, die eine zeitnahe Vermittlung sinnvoll machen. Um nur einige zu nennen:

  • Ein vorheriger Fahrgast hat sich übergeben, dass Auto ist verschmutzt. Der Fahrer hat die Zeit sich abzumelden um das Auto zu reinigen. Er steht der Vermittlung also nicht zur Verfügung, es wird von vornherein ein anderes freies Taxi gesucht.
  • Der Fahrer muss noch mal zurück zum vorhergehenden Fahrgast weil dieser etwas vergessen hat, er kann sich also "besetzt" schalten und es wird ein anderes, freies Taxi gesucht.
  • Der Fahrer kommt nicht an die Abholadresse ran weil er wegen eines Marathons einen riesigen Umweg fahren müsste und überall Stau ist. Die zeitnahe Vermittlung erlaubt es, von vornherein nach Fahrzeugen zu suchen, die eine Chance haben, an den Fahrgast heran zu kommen.
  • ...

Wer denkt, dass das alles nur Ausreden sind bedenke bitte folgendes:

  • Taxen bewegen sich nicht auf festen Routen
  • Taxen haben (unvorhergesehene) Einsteiger, die man nicht genau vorherplanen kann
  • Staus entstehen spontan. Auch wenn man meist ungefähr sagen kann, wann Staus losgehen: Man weiß im Vorfeld nie genau wann sie wo genau entstehen.
  • Unfälle kündigen sich nicht vorher an
  • Havarien an Wasser-, Gas- oder Telefonkabeln, die eine schnelle Reparatur bedingen, sind nicht vorhersehbar, sorgen aber für plötzliches Chaos
  • Erfahrungen beziehen sich auf die Vergangenheit, nicht auf Gegenwart oder Zukunft

Drei Stufen

I. Auftragserfassung

Ein Angestellter der Zentrale erfasst alle Auftragsrelevanten Daten wie zum Beispiel

  • Wann wird das Taxi benötigt?
  • Werden Kindersitze gebraucht?
  • Wo geht die Fahrt los?
  • Wie viele Personen?
  • Wie wird bezahlt?
  • Ist Gepäck dabei, wen ja wieviel?
  • Welcher Fahrzeugtyp wird benötigt? (Kombi, Großraum oder normales Auto?)

und gibt diese in ein spezielles Computerprogramm ein.

II. Datenvermittlung

Zeitnah zum Termin (bei Bestellungen ohne Termin sofort) gehen die Daten in den Datenfunk, dass heißt, das Computersystem sucht im Stammsektor (der Sektor, in dem die Abholadresse liegt) nach einem passenden Fahrzeug. Wird dort kein passender Wagen gefunden, werden die Nachbarsektoren angesprochen, wenn dort kein passendes Auto ist, zieht die Vermittlung immer weitere Kreise.

Wenn trotz aller Mühe über den Datenfunk kein passender Wagen gefunden wurde, kommt es zur Funkvermittlung.

III. Funkvermittlung

Wurde über den computergestützten Datenfunk kein passendes Fahrzeug gefunden, greift die Funkvermittlung ein. Nun wird der Auftrag über den Sprachfunk ausgerufen um auch die FahrerInnen zu erreichen, die den Auftrag vielleicht im Datenfunk "übersehen" haben.

Hier gehen die Zentralen allerdings verschiedene Wege, sodass ich hier nicht näher darauf eingehen werde.

Kein Beförderungsvertrag mit Taxizentrale

"Ich habe mit meiner Bestellung bei der Taxizentrale einen wirksamen Beförderungsvertrag geschlossen!!!"

Hier liegt ein weit verbreiteter Irrtum vor. Sie haben die Zentrale lediglich mit der Vermittlung eines passenden Fahrzeugs beauftragt. Der Beförderungsvertrag kommt mit dem Fahrer des Taxibetriebs zustande, der sie letztendlich fährt.

Genaues dazu erfahren sie unter Beförderungsvertrag